Dienstag, 8. Januar 2013


Leben und Arbeiten in Logaweng:

Nach diesem ganzen Hin und Her war ich dann doch ganz froh auf die Aussicht, jetzt endlich mit meinem Wirken hier in Logaweng und dem Kennenlernen aller Menschen, die hier arbeiten und leben und lernen, anfangen zu koennen.

Mein Tag hier faengt normalerweise so gegen halb sieben an (ich koennte auch spaeter aufstehen, aber dann kann ich nicht mehr in Ruhe fruehstuecken) und im 7:50 Uhr ist dan Morgenandacht. Diese dauert ca. 45 Minuten (da kommte es ganz darauf an, wer predigt und wie gut der mit dem Zeitmanagement umgehen kann) und anschliessend bin ich entweder im Kindergarden hier im Seminar oder ich schaue und hoere dem Unterricht zu um zu lernen oder ich habe (meist am Tag davor oder kurz nach der Andacht) einen Job zu erledigen. Meist ist es irgend ein Brief abtippen, die Computer warten (da kommen dann so Anfragen, wie: Mein Drucker geht nicht, oder die Leertaste geht nicht), ich sitze dann meist ein paar Stunden oder auch Minuten (wenn man zum Beispiel den Drucker nur einschalten muss) davor und versuche mein Bestes zu geben. Wenn etwas gar nicht hinhaut, kann ich auch noch Markus Paulsteiner fragen, wenn er kurz Zeit hat oder es liegt meist auch nur am alten Geraet und dann muss man halt ueber eine neue Anschaffung reden. 

Das macht man dann im Tisabung (Lehrerkonferenz) die jeden Morgen um 10 Uhr stattfindet und alle Belange des Tages abdecken soll. Diese dauert ca. 30 Minuten und anschliessend wittme ich mich wieder meinem Problem oder arbeite im Haus und Tippe etwas oder schlage etwas nach, wenn ich mir nicht sicher bin. Manchmal kommt dann auch noch das Guesthaus dazu, dass geputzt werden will und bei dem ich die Aufsicht habe und die Buchungen mache.

Mittagspause ist dan meist zwischen 12 und 14 Uhr und in der Zeit bin ich bei mir im Haus und koche etwas kleines und mache Malolo (Pause/Ausruhen), meist kommt da aber ein Student, der dann auch noch eine Frage hat, ob ich etwas tippen kann oder ihm helfen bei sampela samting (irgendwas).

Nachmittags sind dann Montag und Mittwoch immer Komitiwok (Gemeindschaftsarbeit) bei der man Unkraut jaehtet, die Gaerten fuer das naechste Schuljahr pflegt, die Kirche oder Unterrichtsraeume putzt oder aehnliches. Manchmal helfe ich hier auch mit (cutim nupela gaden/ den Garten fuer 2013 hacken) oder beim putzen. Oefters habe ich auch bei mir was zu putzen und meine Wohnung soll ja auch nicht im Muell untergehen und der Schimmelbekaempfung habe ich den Kampf angesagt ... und stehe auf verlorenem Posten. Leider ....!!! Der Schimmel hat 4:1 gewonnen!
Montag Abend ist fuer mich dann noch Femililotu (Familiengottesdienst) bei vier Studenten, die sich mit der Predigt immer abwechseln und manchmal gibt es anschliessend dann noch Essen und Toktok (Gespraeche). Dieser Lotu dauert nicht so lange und ist ganz toll, da viel gesungen wird und man sich die Lieder aussuchen kann und dann jeder seine Lieblingslieder singt.

Mittwochabend ist im Wechsel dann auch noch Gottesdienst oder Waspapagrup (Waechter Gruppe). Hier bekommt jeder Student, jeder Volunteer und alle Familien einen Pfarrer an die Seite gestellt, der einem mit Rat und Tat zur Seite stehen soll, der einem aber auch Dinge verbieten kann und immer ueber alles Bescheid wissen will, was man macht, wohin man geht etc. Meist sinnvoll, da wirklich hilfreich, aber ich hatte etwas Probleme damit mich immer an, ab oder umzumelden oder um Erlaubnis zu fragen ... hat mir zweimal auch einen kleinen “Rueffel” eingebracht... naja, ist halt schwer, die Umstellung von ich mache was ich will (Deutschland) und ich mache und darf gar nichts :) ... aber das wird sich hoffentlich geben.

Dienstag helfe ich in der Kinderbuecherei oder in der normalen Buecherei beim Einsortieren der neuen Buecher, oder ich befasse mich wieder mit einem IT Problem, von dem ich nicht genau weis was ich machen soll, oder ich gehe raun (rumlaufen und Freunde finden und Sprache lernen). Auch ist jeden zweiten Dienstag nochmals ein Tisabung, der bis zu 5 Stunden dauern kann und alle weitern Belange klaert, die nicht in der halben Stunde am Vormittag geklaert werden koennen.
Donnerstag ist dann Abend die Meri Nait (Frauennacht) bei der sich alle (oder die die Zeit haben) treffen und einen Gottesdienst halten. Anschliessend wird noch etwas toktok gemacht.
Freitag ist dann frei und jeder von den Studenten hat sich um seinen eigenen Garten und ums Studium zu kuemmern. Hier bin ich ab und zu mitgegangen und habe bei der Gartenarbeit geholfen. Was gar nicht so leicht ist und mich wollten auch ein paar mal die Meris (Frauen) nicht mitnehmen, denn die dachten ich kipp um ... was auch passieren kann. Die Gaerten hier sind anders als die in Deutschland. Das schaut hier immer aus wie eine gruenne Hoelle in der alles kreuz und quer waechst und keiner nen Plan hat wo was anfaengt und wo was aufhoert, aber denkste. Das ist nur fuer deutsche oder weisse Augen so. Hier gibt es auch Beete, Zaeune und Gaerten und jeder weis was jedem gehoert. Spater hatte ich dann auch ein bisschen ein Auge dafuer entwickelt, aber das erste mal, war ich echt verloren und musste vier oder fuenfmal fragen, ob ich die Planze, die so ausschaut wie die daneben auch abreisen darf oder nicht, weil sie gifig ist ... aber man ist ja zum lernen da und Sakarepe (eine Meri aus dem 3 Jahr) hat mir hier so sehr geholfen und ich habe sie sehr lieb gewonnen. Mittlerweile ist sie mit ihrem Mann zum Vikariat aufgebrochen und wir haben nur noch selten Kontakt, anscheinend hat sie viel um die Ohren. Wer weis, oder kein Geld am Handy zum antworten.

Manchmal gibt es auch Muvinait (Filmnacht) am Freitagabend weil da jeder Zeit hat und meist organisiere ich das, aus dem einfachen Grund, da ich die meisten Filme dabei habe :) Auch Pastor Huevos hat einiges, aber meist erste Dramen, die nicht so gut ankommen wie Findet Nemo oder Sister Act, den ich bis jetzt gezeigt habe.

Samstag ist dann meist auch noch Komitiwok und ich gehe viel raun um die Sprache und die Kultur zu lernen und vielleicht auch einen kleinen Einblick zu bekommen. Sonntag dann der grosse Lotu (Gottesdienst) der sich hier in Logaweng gut in Grenzen haelt (ca. 1.5 Stunden) das ist sehr kurz fuer PNG Verhaeltnisse und freut mich, anschliessend ist oft Krichenkaffee oder man spielt. Am Nachmittag sind dann auch Basketball, Volleyball oder Dosen werfen und aehnliches am Programm. Hier war ich nur einmal zum zuschauen, denn die Frauen sollen in Logaweng mit Rock oder Laplap (wickelrock) spielen und das sehe ich nicht ein, denn wenn ich den verliere ... stehe ich da und dann heisst es man kann unter den Rock ja noch ne Hose ziehen, aber da komm ich vor Hitze ja um und irgendwo hoert es dann auch auf.

Die Meris hier schimpfen sowieso (wenn sie alleine sind!!!) ueber dieses Rockzwang aber sobald man dann oeffentlich darueber diskutiert sind alle wieder dafuer und sagen das ist so Pasin bilong Meri (Verhalten von Frauen und weiblich) das gehoert dazu und hier ist es ja konservativ und deshalb ist es schon ok. Wenn ich sie dann aber auf dem Feld oder im Gebuesch sehe und sie bleiben an jedem Zweig oder Ast haengen, dann kann ich daran nichts positives finden. Ich sehe es ja ein im Lotu und beim Unterricht, aber bei Arbeit und Spiel ist es uebertrieben (hier will ich klarstellen, das das meine persoenliche Meinung und Einschaetzung ist und mehr kann ich auch nicht).
Naja, aber so geht der Sonntag dann zu Ende und dann kommt auch schon wieder der Montag... und der Spass geht von vorne los. Langsam habe ich mich gut integriert, fuehle mich wohl und gluecklich und die Sprache kommt auch a bissal ... :) Zumindest versteht mich jeder und weis was ich mein. Wenn dann mal was nicht klappt wie geplant, dann wollte mich auch keiner verstehen.
Naechte Woche kommt Manu fuer drei Wochen zu mir und macht Urlaub und Arbeit hier und da schauen wir mal was so kommt ... :) Freu mich auf jeden Fall mal wieder Gesellschaft von den Volunteers zu haben und nach Herzenslust quatschen zu koennen. 

Bis dahin, Lieben Gruss und Dank an alle Unterstuetzer und Freunde und Kollegen und besonders an meine Familie ...

Mit Sakarepe im Garten bei der Arbeit.
 Alle Maenner bei meiner Femililotugrup (Familien Gottesdienstgruppe)
 Alle Frauen bei meiner Femililotugrup

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