(Verhaltensweisen
in PNG)
Vorweg will ich
bei diesem Eintrag schicken, dass alles was ich hier schildere persoenliche
Erfahrungen und Eindruecke sind. Ein paar Kilometer weiter oder unter anderen
Voraussetzungen oder mit anderen Menschen oder mit einem anderen Volunteer mag
das alles schon wieder ganz anders aussehen. :) ... aber ich bin ich und
deshalb schreibe ich, was mich beruehrt, bewegt und was ich teilen will:
Sei es nun eine
Verhaltensweise, oder von den Frauen hier im Land provoziert, oder einfach nur
totgeschwiegen, aber ich wuerde jeder neuen VolunteerIN, die sich fuer PNG
bewirbt, empfehlen sich vorher genau zu informieren. Aus mehreren Gruenden und
fuer mich einer der wichtigsten mag fuer andere einer der unwichtigsten sein,
aber ich fuehle mich hier eingesperrt. Ich fuehle mich nicht sonderlich frei in
meinen Entscheidungen und der Gestaltung meines Tagesablaufes. Das mag auch
daher fuehren, dass ich seit ca. 8 Jahren (ich bin 28ig) nicht mehr daheim bei
meinen Eltern wohne und mein Leben komplett alleine regele, ich muss mich
nirgends anmelden, oder abmelden, ich kann kommen und gehen wann ich will und
wenn ich Naechte lang nicht in meinem Bett verbringe, dann stoert das auch
keinen. Hier ist es anders.(Keiner verbietet mir, zu tun was ich will, aber...)
Es ist einfach gefaehrlich, sobald die Abenddaemmerung einsetzt, sich alleine
draussen zu bewegen, oder auch in Gesellschaft von „nur“ Weissen. Leider wird
man hier relativ schnell zu einem Objekt der Begierde. Die Frauen natuerlich
was den Koerper betrifft. Man(n) will es einfach haben und besitzen und darueber
bestimmen, aber auch -und das gilt fuer weisse Maenner genauso- Geld und Materialien/Besitztuemer. Hier denken
leider -sehr viele- Menschen nur weil man „weiss“ ist, hat man automatisch viel
Geld und dieses auch immer dabei. Denn man konnte sich ja den Flug und die
weite Reise leisten, laeuft -wenn man einkaufen geht- immer mit vielen Taschen
rum, geht sowieso immer im Geschaeft einkaufen - wo alles dreimal so teuer ist-
und faehrt lieber Auto als PMV. Das weckt natuerlich schon den Eindruck, dass
man einiges an Geld zur verfuegung hat und ich will es auch nicht leugnen. Ich
als Volunteer hier im Land habe ca. das gleiche an Geld zur Verfuegung wie ein
Einheimischer, der 40 Stunden arbeiten sollte (was die meisten nicht tun, aber
das ist ein anderes Thema).
Ueberfallen wird
man dann meist ja nicht von Leuten, die einer regelmaessigen Arbeit nachgehen
und dafuer Fotnait (Gehaltsabrechnungen) bekommen, sondern von Leuten, die eben
nichts tun/arbeitslos sind. Leider sind das hier viele im Land. Ich habe mir
sagen lassen, dass ca. 20% der Bevoelkerung hier einer regelmaessigen Arbeit
nachgeht und sich die anderen 80% „darauf ausruhen“ und davon ausgehen, dass
sie davon mitleben koennen. Meist ist es leider wirklich so, dass innerhalb
einer Familie nur eine Person arbeitet und alle anderen davon ausgehen, dass
man schon etwas vom Gewinn abbekommt. Denn alle in einer Familie (einer Lain)
sollen gleiches haben und sind soooo eifersuechtig aufeinander, dass sie
anderen nichts goennen und immer auch „Ihren“ Teil abhaben wollen.
Das fuehrt
naturlich dazu, dass einfach sehr viele Menschen (vor allem Maenner, denn die
Frauen arbeiten immer noch im Garten, damit wenigstens etwas zum Essen auf dem
Tisch steht, sonst werden hier SEHR viele Frauen geschlagen, weil das
Abendessen nicht rechtzeitig auf dem Tisch steht) einfach nur rumsitzen und
versuchen die Zeit totzuschlagen (Arbeit gaebe es mehr als genug, und sei es
nur der Frau im Garten helfen, aber dazu lassen sich die wenigsten herab). Und
was passiert, wenn man nichts zu tun hat?
Man(n) kommt auf
dumme Gedanken ... schnelles Geld zu machen, u.a. in dem man einen
leichtsinnigen Weissen ausraubt, der gerade aus der Bank kommt (denn weisse
heben fuer gewoehnlich viel Geld auf einmal ab) oder sie Nachts/bei Dunkelheit
auf der Stasse ueberfaellt. Leider kommt hier bei Frauen noch dazu, dass die
Anziehung von einem „weissen“ Koerper sehr gross scheint, denn sooo
unterschiedlich wie der Koerper, die Haut, die Haare aussehen, will Man(n) dass
auch mal „ausprobieren“, denn „DAS“ muss dann ja auch anders sein.
Was dannach
geschieht ...
Deshalb wuerde ich
allen Maedels/Frauen raten, sich damit gut auseinander zu setzen. Leider kam
das bei mir in der „schwere“ nicht an im Vorbereitungsseminar. Hier im Land
sind nun aber in den letzten Wochen wieder einige Vergewaltigungen von Weissen
Frauen vorgekommen, weshalb ich mich genoetigt gefuehlt habe, diesen Bericht
online zu stellen. Einige dieser Vorfaelle waren auch in den Medien (Deutsches
Fernsehen, Radio) und deshalb ist es mittlerweile ein Thema der Oeffentlichkeit
geworden, wo es frueher vielleicht Einzelfaelle waren, kann man jetzt leider
nicht mehr nur von „Ausrutschern“ reden.
Fast allen
letzten Generationen von Volunteerinnen ist hier im Lande etwas passiert,
leider wurde das so nicht kommuniziert und ich will es hiermit tun. Ich wurde
um ein Haar vergewaltigt (bin im wahrsten Sinne mit einem blauen Auge davon
gekommen) und das am hellen Tag in meinem Haus am Schulgrund in Logaweng (ich
konnte nur entkommen, weil ich micht gewehrt und auf meinen Angreifer
eingeschlagen habe -er uebrigens auch auf mich-), weshalb ich auch nicht
verstehen kann, weshalb jetzt wieder ein Maedchen hingeschickt wird, mit den
selben Voraussetzungen und sogar im selben Haus untergebracht werden soll in
dem ich den „Zwischenfall“ wie es so schoen heisst, hatte. Im Jahr davor wurde
einer Volunteerin auf einem anderen Schulgrund hier in PNG (aus Datenschutzgruenden
nenne ich ihren Namen und die Schule nicht) aufgelauert mit der Absicht „...“
mit ihr zu machen. Auch sie ist entkommen, nur weil sie nicht alleine unterwegs
war. Auf einem anderen Schulgelaende
wurden vor ein paar Jahren zwei Volunteerinnen vergewaltigt, die anschliessend
das Land verlassen mussten und vor ein paar Tagen habe ich erfahren, dass auf
Karkar Island eine Frau vergewaltigt worden ist. Ihr Mann musste zuschauen... (das
war auch im Fernsehen und Radio zu hoeren) und das sind nur einige Vorfaelle
von den „westlichen“, „weissen“ ... wenn ich mit den Vorfaellen der Einheimischen
anfangen wuerde von dennen ich sicher weis, dass Sie vergewaltigt oder
ueberfallen worden sind, dann kann ich heute sicher nicht mehr aufhoeren.
Ich fuer meinen
teil liebe meine Freiheit und deshalb ist es fuer mich wohl mit Abstand die
groesste Herausforderung nicht frei entscheiden zu koennen und zu duerfen.
Immer sofort beobachtet zu werden, sobald man das Haus verlaesst und immer
irgendwie (positiv und auch negativ) im Mittelpunkt zu stehen. Alleine ist hier
also nichts zu machen ... als Frau. (Als Mann darf man hier alles und ich kann
gut verstehen, wenn so mancher 18jaehrige nach diesem Jahr mit einem Ego
heimkommt, „dass seines gleichen sucht“ :)). Ich werde allerdings aufpassen
muessen, dass ich mein Selbstvertrauen nicht komplett verliere, denn auch was
die Arbeitsleistung angeht wird ein Mann hier um einiges mehr respektiert als
eine Frau. Was vielleicht auch daran liegt (habe das auch haeufig in
Deutschland erlebt), dass eine Frau ihr Koennen „haeufiger untern Teppich“ kehrt
als ein Mann, und deshalb weniger anerkannt wird. Auch gibt es in fast allen
Berufssparten unterschiedliche Gehaelter. Das Gehalt der Maenner in Deutschland
zum Beispiel ist in meinem Berufsfeld als Mediengestalterin um 5-15% hoeher bei
gleicher Ausbildung.
Dennoch, habe ich
fuer meinen Teil entschieden:
Ich werde die
Zeit hier noch gut verbringen, ich werde Spass haben und auch meine Arbeit und
meine Freizeit so toll und lustig wie moeglich gestalten, auch wenn mir vieles
verborgen bleibt, teilweise weil ich eine Frau bin und teilweise weil es zu
gefaehrlich ist. Aber ich habe mir dieses Jahr gewuenscht/bin auch sehr
gluecklilch hier zu sein und werde es auch beenden und fuer mich alles tolle
und gute (was es hier auch gibt in „rauen Mengen“ und ich auch schon
geschrieben habe) mitnehmen was geht. Habe aber fuer mich und mein weiteres
Leben einiges gelernt (was privat ist und ich hier nicht ausfuehren will) und
hoffe auch ich finde mein Selbstvertrauen in Deutschland wieder, wenn ich weis,
dass ich und meine Arbeit geschaetzt und respektiert wird.
Ich will nochmals
sagen, dass es sich jede Frau und jedes Maedchen gut ueberlegen soll, hier her
zu kommen. Fragt lieber zweimal nach und informiert euch gut. Man kann hier
viel Liebe und viel Freundlichekeit erleben. Ihr alle habt schon einige Bloggs
von mir gelesen, in denen ich das beschrieben habe, aber man muss sich
definitiv auch damit auseinandersetzen was passiert wenn...
So, damit wieder
mal Schluss fuer heute und beim naechsten Mal kommen wieder erfreulichere
Themen :)
Bis dahin, alles
liebe, eure Tanja
PS.: Ich fliege
die naechste Woche erst mal nach Madang/Amron um dort zwei Wochen zu
unterrichten und vielleicht auch noch mal die Gelegenheit zu nutzen Tauchen zu
gehen... lasst euch ueberraschen!
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