Donnerstag, 16. Mai 2013

„Pasin bilong PNG“


(Verhaltensweisen in PNG)

Vorweg will ich bei diesem Eintrag schicken, dass alles was ich hier schildere persoenliche Erfahrungen und Eindruecke sind. Ein paar Kilometer weiter oder unter anderen Voraussetzungen oder mit anderen Menschen oder mit einem anderen Volunteer mag das alles schon wieder ganz anders aussehen. :) ... aber ich bin ich und deshalb schreibe ich, was mich beruehrt, bewegt und was ich teilen will:

Sei es nun eine Verhaltensweise, oder von den Frauen hier im Land provoziert, oder einfach nur totgeschwiegen, aber ich wuerde jeder neuen VolunteerIN, die sich fuer PNG bewirbt, empfehlen sich vorher genau zu informieren. Aus mehreren Gruenden und fuer mich einer der wichtigsten mag fuer andere einer der unwichtigsten sein, aber ich fuehle mich hier eingesperrt. Ich fuehle mich nicht sonderlich frei in meinen Entscheidungen und der Gestaltung meines Tagesablaufes. Das mag auch daher fuehren, dass ich seit ca. 8 Jahren (ich bin 28ig) nicht mehr daheim bei meinen Eltern wohne und mein Leben komplett alleine regele, ich muss mich nirgends anmelden, oder abmelden, ich kann kommen und gehen wann ich will und wenn ich Naechte lang nicht in meinem Bett verbringe, dann stoert das auch keinen. Hier ist es anders.(Keiner verbietet mir, zu tun was ich will, aber...) Es ist einfach gefaehrlich, sobald die Abenddaemmerung einsetzt, sich alleine draussen zu bewegen, oder auch in Gesellschaft von „nur“ Weissen. Leider wird man hier relativ schnell zu einem Objekt der Begierde. Die Frauen natuerlich was den Koerper betrifft. Man(n) will es einfach haben und besitzen und darueber bestimmen, aber auch -und das gilt fuer weisse Maenner genauso-  Geld und Materialien/Besitztuemer. Hier denken leider -sehr viele- Menschen nur weil man „weiss“ ist, hat man automatisch viel Geld und dieses auch immer dabei. Denn man konnte sich ja den Flug und die weite Reise leisten, laeuft -wenn man einkaufen geht- immer mit vielen Taschen rum, geht sowieso immer im Geschaeft einkaufen - wo alles dreimal so teuer ist- und faehrt lieber Auto als PMV. Das weckt natuerlich schon den Eindruck, dass man einiges an Geld zur verfuegung hat und ich will es auch nicht leugnen. Ich als Volunteer hier im Land habe ca. das gleiche an Geld zur Verfuegung wie ein Einheimischer, der 40 Stunden arbeiten sollte (was die meisten nicht tun, aber das ist ein anderes Thema).
Ueberfallen wird man dann meist ja nicht von Leuten, die einer regelmaessigen Arbeit nachgehen und dafuer Fotnait (Gehaltsabrechnungen) bekommen, sondern von Leuten, die eben nichts tun/arbeitslos sind. Leider sind das hier viele im Land. Ich habe mir sagen lassen, dass ca. 20% der Bevoelkerung hier einer regelmaessigen Arbeit nachgeht und sich die anderen 80% „darauf ausruhen“ und davon ausgehen, dass sie davon mitleben koennen. Meist ist es leider wirklich so, dass innerhalb einer Familie nur eine Person arbeitet und alle anderen davon ausgehen, dass man schon etwas vom Gewinn abbekommt. Denn alle in einer Familie (einer Lain) sollen gleiches haben und sind soooo eifersuechtig aufeinander, dass sie anderen nichts goennen und immer auch „Ihren“ Teil abhaben wollen.
Das fuehrt naturlich dazu, dass einfach sehr viele Menschen (vor allem Maenner, denn die Frauen arbeiten immer noch im Garten, damit wenigstens etwas zum Essen auf dem Tisch steht, sonst werden hier SEHR viele Frauen geschlagen, weil das Abendessen nicht rechtzeitig auf dem Tisch steht) einfach nur rumsitzen und versuchen die Zeit totzuschlagen (Arbeit gaebe es mehr als genug, und sei es nur der Frau im Garten helfen, aber dazu lassen sich die wenigsten herab). Und was passiert, wenn man nichts zu tun hat?

Man(n) kommt auf dumme Gedanken ... schnelles Geld zu machen, u.a. in dem man einen leichtsinnigen Weissen ausraubt, der gerade aus der Bank kommt (denn weisse heben fuer gewoehnlich viel Geld auf einmal ab) oder sie Nachts/bei Dunkelheit auf der Stasse ueberfaellt. Leider kommt hier bei Frauen noch dazu, dass die Anziehung von einem „weissen“ Koerper sehr gross scheint, denn sooo unterschiedlich wie der Koerper, die Haut, die Haare aussehen, will Man(n) dass auch mal „ausprobieren“, denn „DAS“ muss dann ja auch anders sein.
Was dannach geschieht ...

Deshalb wuerde ich allen Maedels/Frauen raten, sich damit gut auseinander zu setzen. Leider kam das bei mir in der „schwere“ nicht an im Vorbereitungsseminar. Hier im Land sind nun aber in den letzten Wochen wieder einige Vergewaltigungen von Weissen Frauen vorgekommen, weshalb ich mich genoetigt gefuehlt habe, diesen Bericht online zu stellen. Einige dieser Vorfaelle waren auch in den Medien (Deutsches Fernsehen, Radio) und deshalb ist es mittlerweile ein Thema der Oeffentlichkeit geworden, wo es frueher vielleicht Einzelfaelle waren, kann man jetzt leider nicht mehr nur von „Ausrutschern“ reden.

Fast allen letzten Generationen von Volunteerinnen ist hier im Lande etwas passiert, leider wurde das so nicht kommuniziert und ich will es hiermit tun. Ich wurde um ein Haar vergewaltigt (bin im wahrsten Sinne mit einem blauen Auge davon gekommen) und das am hellen Tag in meinem Haus am Schulgrund in Logaweng (ich konnte nur entkommen, weil ich micht gewehrt und auf meinen Angreifer eingeschlagen habe -er uebrigens auch auf mich-), weshalb ich auch nicht verstehen kann, weshalb jetzt wieder ein Maedchen hingeschickt wird, mit den selben Voraussetzungen und sogar im selben Haus untergebracht werden soll in dem ich den „Zwischenfall“ wie es so schoen heisst, hatte. Im Jahr davor wurde einer Volunteerin auf einem anderen Schulgrund hier in PNG (aus Datenschutzgruenden nenne ich ihren Namen und die Schule nicht) aufgelauert mit der Absicht „...“ mit ihr zu machen. Auch sie ist entkommen, nur weil sie nicht alleine unterwegs war.  Auf einem anderen Schulgelaende wurden vor ein paar Jahren zwei Volunteerinnen vergewaltigt, die anschliessend das Land verlassen mussten und vor ein paar Tagen habe ich erfahren, dass auf Karkar Island eine Frau vergewaltigt worden ist. Ihr Mann musste zuschauen... (das war auch im Fernsehen und Radio zu hoeren) und das sind nur einige Vorfaelle von den „westlichen“, „weissen“ ... wenn ich mit den Vorfaellen der Einheimischen anfangen wuerde von dennen ich sicher weis, dass Sie vergewaltigt oder ueberfallen worden sind, dann kann ich heute sicher nicht mehr aufhoeren.

Ich fuer meinen teil liebe meine Freiheit und deshalb ist es fuer mich wohl mit Abstand die groesste Herausforderung nicht frei entscheiden zu koennen und zu duerfen. Immer sofort beobachtet zu werden, sobald man das Haus verlaesst und immer irgendwie (positiv und auch negativ) im Mittelpunkt zu stehen. Alleine ist hier also nichts zu machen ... als Frau. (Als Mann darf man hier alles und ich kann gut verstehen, wenn so mancher 18jaehrige nach diesem Jahr mit einem Ego heimkommt, „dass seines gleichen sucht“ :)). Ich werde allerdings aufpassen muessen, dass ich mein Selbstvertrauen nicht komplett verliere, denn auch was die Arbeitsleistung angeht wird ein Mann hier um einiges mehr respektiert als eine Frau. Was vielleicht auch daran liegt (habe das auch haeufig in Deutschland erlebt), dass eine Frau ihr Koennen „haeufiger untern Teppich“ kehrt als ein Mann, und deshalb weniger anerkannt wird. Auch gibt es in fast allen Berufssparten unterschiedliche Gehaelter. Das Gehalt der Maenner in Deutschland zum Beispiel ist in meinem Berufsfeld als Mediengestalterin um 5-15% hoeher bei gleicher Ausbildung.

Dennoch, habe ich fuer meinen Teil entschieden:
Ich werde die Zeit hier noch gut verbringen, ich werde Spass haben und auch meine Arbeit und meine Freizeit so toll und lustig wie moeglich gestalten, auch wenn mir vieles verborgen bleibt, teilweise weil ich eine Frau bin und teilweise weil es zu gefaehrlich ist. Aber ich habe mir dieses Jahr gewuenscht/bin auch sehr gluecklilch hier zu sein und werde es auch beenden und fuer mich alles tolle und gute (was es hier auch gibt in „rauen Mengen“ und ich auch schon geschrieben habe) mitnehmen was geht. Habe aber fuer mich und mein weiteres Leben einiges gelernt (was privat ist und ich hier nicht ausfuehren will) und hoffe auch ich finde mein Selbstvertrauen in Deutschland wieder, wenn ich weis, dass ich und meine Arbeit geschaetzt und respektiert wird.

Ich will nochmals sagen, dass es sich jede Frau und jedes Maedchen gut ueberlegen soll, hier her zu kommen. Fragt lieber zweimal nach und informiert euch gut. Man kann hier viel Liebe und viel Freundlichekeit erleben. Ihr alle habt schon einige Bloggs von mir gelesen, in denen ich das beschrieben habe, aber man muss sich definitiv auch damit auseinandersetzen was passiert wenn...

So, damit wieder mal Schluss fuer heute und beim naechsten Mal kommen wieder erfreulichere Themen :)

Bis dahin, alles liebe, eure Tanja
PS.: Ich fliege die naechste Woche erst mal nach Madang/Amron um dort zwei Wochen zu unterrichten und vielleicht auch noch mal die Gelegenheit zu nutzen Tauchen zu gehen... lasst euch ueberraschen!

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