Goroka:
Wie ihr ja in einem der letzten Eindraege gehoert und erfahrt
habt, gab es in Logaweng fuer mich kurz vor Weihnachten einige oder besser
besagt eine grosse negative Erfahrung. Ich wurde ueberfallen und sollte auch
“festgehalten” werden, entweder um dem Seminar zu schaden, oder mir persoenlich
... aber hier kann ich nur spekulieren.
Also war es fuer mich eine Aufgabe innerhalb meines Urlaubes mir
Gedanken darueber zu machen, wie und ob und wo ich in Papua weitermachen kann,
damit dieses Jahr nicht mit einer negativen Erfahrung enden muss und ich auch
immer wieder daran erinnert werde, dass ich mich nicht mehr wohl fuehle. Leider
musste ich die letzten Tage und Wochen feststellen, dass mich dieses Ereigniss
doch mehr mitgenommen hat, als ich dachte und das doofe ist, dass ich auch gar
nichts daran aendern kann. Die Vorstellung wieder in Logaweng in meinem Haus
sein zu muessen und doch hoert ein keiner, wenn ein doch jemand hoeren muss,
ist beaengstigend fuer mich. Also habe ich mit ganz vielen Leuten gesprochen
und mir Ratschlaege und Meinungen angehoert, die aber alle in ein und die selbe
Richtung liefen. Naemlich ... weg aus Logaweng...
Ich habe dann natuerlich auch mit meinen Mentoren ueber die
Wohnsituation in Logaweng gesprochen und ob man eine Alternative finden kann,
aber das ist schwer, denn es gibt so viel Moeglichkeit nicht und deshalb haben
wir dann alle beschlossen, dass es auch das beste fuer mich ist, dass ich die
Einsatzstelle wechsle. Ich haette die Moeglichkeit noch gehabt das Land zu wechseln
und nach Bangkog zu gehen, aber ich habe mir nun einmal dieses Land ausgesucht
(bzw. Ist es dieses Land geworden) und jetzt setze ich mich damit auch
auseinander. Alles andere waere mir wie weglaufen vorgekommen. Wir haben jetzt
also ueberlegt, was am geschicktesten Wohntechnisch und Arbeitstechnisch fuer
mich ist und sind zu dem Schluss Goroka (Stadt im Hochland) gekommen.
Hier wohnen die beiden Pastoren Verena und Thomas Hellfritsch mit
Ihrer Tochter Thalia. Die aber jetzt auch 11 geworden ist und langsam in das
interessante Alter kommt um den Maennern hier aufzufallen und auch die
Schulbildung ab diesem Alter ist hier ein Thema und aus diesen beiden Gruenden
werden Verena und Thomas fast gleichzeitig mit mir das Land verlassen und
wieder zurueck in die Heimat fahren. Soweit ich weis kurz nach mir. Aber im
Moment wohne ich in einer separaten Falt unter Ihrem Haus mit einer eigenen
Kueche, Toilette und Bad und fuehle mich sehr wohl. Hier kann ich fuer mich
sein, wenn ich will aber habe auch den Anschluss zur Familie und hoere sie
immer, was mich beruhigt.
Auch von der Arbeitssituation war die Entscheidung nach Goroka zu
gehen die beste Wahl, denn hier werde und kann ich fast das selbe machen, wie
in Logaweng fuer mich auch angedacht war. Ich werde in den naechsten Wochen
meine Computerkurse starten und hier drei Gruppen haben. Alle Kirchenmaenner,
alle Maenner von der Secondary und Primary Schule und dann noch eine
Frauengruppe. Ich werde verschiedene Themen abarbeiten und hoffe das ich helfen
kann. Naechste Woche erarbeite ich zusammen mit allen Verandtwortlichen die
Stundenplaene und Timetables und dann geht es los.
Bis dahin habe ich jetzt in der letzten Woche selber einiges
gelernt und an einem Traktorkurs teilgenommen. Jetzt kann ich also Traktorfahren,
aber mit dem Rueckwaertsfahren mit Haenger klappt es dann doch noch nicht ganz
und dazu war die Zeit auch zu knapp. Zumindest weis ich jetzt, wo man was oelen
und einfaetten muss, wie man einen Traktor wartet und was man alles dafuer
braucht. Von heute an bis Sonntag gibt es noch einen Administrationskurs, den
Verena leitet und bei dem ich ich auch sein soll, da er mir helfen kann die
Strukturen besser zu verstehen und auch alle Bigmaenner (die Maenner, die hier
das meiste zu sagen haben, oder es glauben) kennenzulernen, aber einige davon
konnte ich auch schon im Traktorkurs sehen, was sich hier ja keiner entgehen
lassen will. Auf jeden Fall habe ich den Eindruck, dass alle sehr gerne etwas
lernen wollen und mir auch mit Freude einiges beibringen werden (ich hoffe die
Tage auf einer Kaffeeplantage mithelfen zu koennen und auch die Doerfer im
Umkreis zu sehen).
Ansonsten ist das Hochland anders als die Kueste. Ich schlafe seit
Tagen nur noch mit Socken und zwei Decken, denn sonst wuerde ich erfrieheren.
Sitze auch jetzt wieder mit Fleesjacke vor dem Computer und finde es kalt,
obwohl es bestimmt ueber 20 Grad hat. Aber die Luft ist hier einfach kuehler
und Regenzeit haben wir auch gerade. Allerdings habe ich jetzt schon zweimal
die Gelegenheit nicht verpasst mir einen Sonnenbrand einzufangen, indem ich ca.
20 Minuten in der Sonnne gefroheren hatte. Diese ist hier viel staerker als an
der Kueste und man muss wirklich aufpassen nicht zu verbrennen. Auch habe ich
mir als erstes mal 2 Hosen fuer umgerechnet 3 Euro aus dem Secondhand laden
geholt, da ich sonst nichts dabei hatte, mit dem ich die Temparaturen aushalten
kann. Landschaftlich ist hier auch alles anders und ich muss – fuer mich
persoenlich sagen – toller. Man faehrt immer durch huegelige Landschaft und
immer haengen die Bergspitzen mit Wolken voll, durch die hin und wieder der
Regen oder die Sonne bricht. Das Licht hier oben ist auch anders als an der
Kueste und es gibt keine Kokusnuesse (auf dem Markt kann man trockene kaufen,
die extra von der Kueste hochgeschafft werden), allerdings brauche ich die
selten, denn zum trinken ist die Kuhlau besser (die unreife Kokusnus). Auch
gibt es hier Nadelbaeume und sonst sehr viel Gras (Kunaigras) mit dem die
Haeuser, die hier auch anders ausschauen, gedeckt werden oder die Tiere
gefuettert. Im Moment fuehle ich mich sehr wohl hier und komme auch mit Verena
und Thomas gut aus. Ich glaube ich habe die richtige Entscheidung getroffen,
wobei es fast noch zu frueh ist das zu sagen. Wir werden sehen ... jetzt gehe ich
erst mal mit den Katzen und Hundewelpen spielen, die vor ein paar Wochen auf
die Welt gekommen sind und auch hier beim Haus leben und dann geht es am
Nachmittag zu meiner offiziellen Welcome Partie und anschliessend faengt der
Krus an. Spaetabends kommen wir dann wieder heim und morgen und uebermorgen ist
der ganze Tag dann Kurs. Ich freue mich ...
Bis bald mal wieder ...
Eure Tanja






