Donnerstag, 21. Februar 2013

Sanguma-Killing...


Erschreckend, schockierend und gruselig…

Man denkt doch immer wieder, man lebt in einem modernen und fortschrittlichem Zeitalter, im Jahre 2013. Eigentlich sollte hier Hexerei und Zauberei lange nicht mehr aktuell sein, doch hier, in Papua Neuguinea steht das an der Tagesordnung. Fast jeden Tag hoere ich Geschichten (die leider alle wahr sind) und bekomme Erzaehlungen mit bei denen Frauen und auch Maenner Opfer von Sanguma (Hexerei/Zauberei) werden.  Meist werden Frauen hier verurteilt und mit Folter und Mittelalterlichen Methoden zum sprechen (einem Gestaendnis) gebracht oder einem „Gottesurteil“ unterzogen, wie es so schoen heisst und auch im Mittelalter in Europa vorkam.

Ich bin mir nicht sicher, ob das hier im Hochland verbreiteter ist als an der Kueste, wo ich vorher war, und kann deshalb da auch nur Spekulationen wagen, allerdings wenn man Leute von der Kueste fragt, bekommt man immer nur ausweichende oder gar keine Antworten ... und ist das eigentlich nicht Antwort genug?

Ich habe hier einigen Zugang zu solchen Geschichten und die Menschen im Hochland halten damit auch nicht so „Hinterm Berg“ wie die Kuestenbewohner und deshalb (und auch ueber Thomas und Verena) bekomme ich einiges mit. Normalerweise ist das menschliche Gehirn so programmiert, dass wenn etwas ganz schreckliches passiert, man es erst mal verdraengt und in den hintersten Winkel seines Hirnes schiebt, wo man es nur schwer wieder finden kann. Man weis es zwar und hoert es, hat aber keinen Bezug dazu und denkt alles ist weit weg... wenn man dann aber Bilder und Videos sieht (was an sich ja schon makaber ist, da Videos und Bilder zu machen) die Personen vielleicht sogar kennt, ist es vorbei mit der Verdraengung.

Ich nutze hier meinen Blog um auch einmal so einen Artikel raufzustellen um vielleicht auch etwas wachzuruetteln, denn so ging es mir gestern, als ich diese (ein paar sind unten zu sehen) Bilder gesehen habe. Diese Geschichte war im August letzten Jahres im Hochland vorgefallen und aus Datenschutzrechtlichen Gruenden werde ich auch nicht sagen wer es war oder wer die Fotos geschossen hat. Ich war es nicht und ich war auch nicht live dabei. Wahrscheinlich haette ich das nicht ausgehalten und ich verstehe auch nicht wie man so einem „Schauspiel“ zuschauen kann?

Diese Frau auf den Bildern (unten) wurde des Sanguma verdaechtigt und um ein Gestaendnis zu bekommen,  und um zu beweisen, dass sie eine Hexerin ist, wurde sie mit kluehenden Eisenstangen verbrannt, mit Messern geschnitten, oeffentlich nackt aufgehaengt und ist dannach gestorben. Leider war nicht rauszubekommen ob damit dann bewiesen ist dass sie eine Hexe war oder nicht. Denn eigentlich dient dieses Schauspeil nur dazu „Rache“ zu ueben und die betreffende Person zu toeten... Helfen tut hier auch keiner, denn sonst steht man schneller neben dem Angeklagten als man schaut und wenn man es dennoch versucht, dann wird man meist ignoriert, verlacht oder verbruegelt? Was kann man also tun? Verena und auch Thomas versuchen hier (auch in den Predigten) Aufklaerung zu leisten und ich kann nur hoffen, dass es auf fruchtbaren Boden faellt. Ich fuer meinen Teil kann hier nicht so viel tun, ich versuche immer auf den medizinischen Aspekt hinzuweisen, dass Menschen an den unterschiedlichsten Ursachen sterben koennen und das das nichts mit Hexerei zu tun hat, was auch bewiesen ist. Aber glauben tut mir keiner.

Ein anderes Beispiel (erzaehlt von einer Frau aus meiner Kirchengemeinde hier in Goroka, ihr Gesicht ist zerstoert und ihr Koerper voller Narben (viele davon im Gesicht), auch Brandwunden sieht man): Anscheinend hatten ihr Mann und sie ein recht grosses Grundstueck zum Anbau von Gemuese und Obst erwirtschaftet. Allerdings ist dann - zum leidewesen der Frau - ihr Mann verstorben. Der Glaube hier (vielleicht auch mit Neid gemischt ... Spekulation von mir!!) konnte dann keinen anderen Schluss zulassen, als das sie ihren Mann mit Hexerei getoetet hat um an das Land zu kommen. Es zu erben...
Was dannach geschah, kann sie immer nur unter Traenen wiedergeben. Sie wurde gefoltert, geschlagen, verbrannt, geschnitten und dann auch an den Haenden aufgehangt zum sterben. Aber „leider“ ist das Seil, an dem man sie befestigt hat in der darauffolgenden Nacht gerissen und sie konnte sich in „Sicherheit“ bringen und ist ins Gebuesch gerobbt, denn laufen konnte sie nicht mehr.
Naja, auf jeden Fall hat sie es ueberlebt. Gerade einmal so. Jetzt hat sie sich wieder ueber die Jahre ein Haus und Land aufgebaut, adoptiert Kinder um ihnen zu helfen, geht immer in die Kirche und Dankt Gott dafuer das sie noch lebt und hat es sich zur Aufgabe gemacht die Volunteers und „Weissen“ hier im Land in Goroka mit Kumu (Gruenzeug zum Essen), Pumpkin, Brokoli oder sonstigem zu versorgen. Zu Cyhntia und Rudolf hat sie ein tolles Verhaeltnis und auch Philipp und jetzt auch ich etwas kommen in den Genuss ihrer Fuersorge. Philipp baut jetzt fuer sie – damit ihr Leben etwas leichter wird – einen Regentank mit Auffangbehaelter (mit Spenden finanziert), damit sie nicht immer Wasser klauen oder von sehr weit her tragen muss. Und Regenwasser kann man hier gut trinken ... leider kommt man da nicht dran, wenn man keinen Tank hat der es auffaengt, aber das aendert sich jetzt hoffentlich bald.

Immer wieder frage ich mich wie sie es schafft ihr Vertrauen in die Menschen aufrecht zu halten und so liebevoll und grosszuegig zu sein, wo man ihr doch so viel Schlechtes und Grausames angetan hat? Das alleine weis wohl nur sie.

Bis zum naechsten Mal ... dann hoffentlich wieder mit froehlicheren Nachrichten ...
Eure Tanja



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